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 Gestein des Jahres 2010  

 

Kalksteinbruch in der Fränkischen Schweiz

 

Kalkstein - Gestein des Jahres 2010

 

Geowissenschaftler wählen „Alleskönner“ unter den Gesteinen

 

Man findet ihn in den Riffen der heutigen Meere, aber auch in der Fränkischen oder Schwäbischen Alb oder in den Kalkalpen: Kalkstein. Dieses vielseitige Gestein gehört auch mit zu den wertvollsten. Denn als Rohstoff oder als Baumaterial ist dieser Alleskönner seit Jahrhunderten unentbehrlich. Um auf die große Bedeutung des Kalksteins für Mensch und Natur aufmerksam zu machen, hat ihn der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) jetzt zum „Gestein des Jahres 2010“ gekürt.

Kalksteine bestehen zum großen Teil aus dem Mineral Calcit (CaCO3). In vielen Kalksteinen ist häufig aber auch der magnesiumhaltige Dolomit vorhanden, weshalb man dann von einem dolomitischen Kalkstein spricht.

 

Korallen als Baumeister

 

Bei der Entstehung der meisten Kalksteine spielen Lebewesen eine entscheidende Rolle. So bauen beispielsweise Korallen das im Meerwasser vorhandene Kalzium zusammen mit Sauerstoff und Kohlenstoff direkt in ihr Skelett ein. Nach dem Absterben der Tiere bleibt das CaCO3-Gerüst erhalten und durch Verfestigungsprozesse wird daraus Kalkstein. Oder es setzten sich die Kalkschalen von Abermillonen kleinster Organismen nach deren Tod als Kalkschlamm auf dem Meeresboden ab und erhärten dort zu geschichtetem Kalkstein.

 

Einer der bekanntesten Riffgürtel der Erde ist das mehrere tausend Kilometer lange Great-Barrier-Reef vor der Küste Australiens. Auf gleiche Weise ist aber auch der rund 150 - 170 Millionen Jahre alte Riffgürtel entstanden, dessen Überreste heute noch in der Schwäbischen und Fränkischen Schweiz zu bewundern sind. Diese Riffkomplexe sind Teil eines einst mehrere tausend Kilometer langen Riffsystems in der Zeit des Juras. Nach seiner Entstehung wurden diese Riffe aus dem Meer herausgehoben und können heute an Land und trockenen Fußes besucht werden.

 

  

 

Tipp:

Vergrößern Sie die Bilder durch anklicken!

 

 

Frisch gebrochener Kalkstein

 

    

Eines der 100 schönsten Geotope Bayerns - der Rifffelsen von Tüchersfeld

 

Kalksteine können sich auch an Land bilden

 

Doch längst nicht alle Kalksteine sind im Meer entstanden. So können diese auch durch biologisch-chemische Prozesse aus dem Wasser an Land ausgefällt werden, z. B. als Quellkalk, auch Kalktuff oder Quelltuff genannt. Durchsickert Niederschlagswasser einen kalkreichen Untergrund, löst es den Kalk aus dem Gestein heraus und transportiert ihn in gelöster Form weiter. Tritt das kalkhaltige Wasser an einer Quelle wieder zutage, wird der Kalk aufgrund der sich verändernden Umgebung (höhere Temperatur, geringerer Druck) ausgefällt. Es entsteht zunächst ein weicher Kalkschlamm, der im Verlauf der Zeit erhärtet. Meist wirken dem Wasser CO2 (= Kohlendioxid) entziehende Pflanzen oder Mikroorganismen bei der Kalkfällung mit. Zu Stein gewordener und abbaubarbarer Quelltuff nennt man Travertin.

   

Unverfestigter Quelltuff an einem

Wasseraustritt in der Fränkischen Schweiz

 
 

 

 

Vielseitig verwendbar

 

Kalksteine bilden nicht nur die Grundlage für Naturwunder weltweit oder in Deutschland. Sie sind auch von unschätzbarer Bedeutung für die Industrie. Denn der Rohstoff ist nicht nur reichlich vorhanden, sondern auch vielseitig verwendbar.

 

So verbraucht jeder Einwohner der Bundesrepublik Deutschland durschschnittlich im Laufe seines Lebens etwa 100 Tonnen Kalk- und Mergelsteine. In erster Linie ist Kalkstein ein Baurohstoff und wird zu Zement und Branntkalk verarbeitet. Dabei verändert der Kalkstein durch Erhitzen seine chemische Zusammensetzung. Bei Temperaturen zwischen 900 und 1200° C wird der Kalkstein (CaCO3) in gasförmiges Kohlendioxid (CO2) und Calciumoxid (CaO = Branntkalk) zerlegt.

 

„or allem auch in der Eisen- und Stahlindustrie werden große Mengen Kalkstein gebraucht, denn ohne ungebrannten Kalkstein würde aus dem Eisenerz kein Roheisen und ohne Branntkalk aus dem Roheisen kein Stahl herstellbar sein. Aber auch als Dünger für Pflanzen und Tiere wird Kalkstein benötigt.

 

 

Hilfsmittel für Architekten und Rohstoffexperten

 

Wichtige Dienste geleistet hat Kalkstein auch in der Architektur. So wurden beispielsweise der Kaiserdom in Königslutter, der Dom von Halberstadt, das Pergamonmuseum in Berlin sowie eine Vielzahl von Dorfkirchen in Mittel- und Süddeutschland zu großen Teilen aus Kalksteinen errichtet worden.

 

Wenn man schließlich noch berücksichtigt, dass poröse Kalksteine als geologische Speicher für Erdöl und Erdgas fungieren und die vielfältigen Karstphänomene in den Kalksteinfolgen interessante und attraktive Tropfsteinhöhlen geschaffen haben, lässt der Kalkstein wohl keine Wünsche offen.

 

 

Gestein des Jahres

 

Bereits zum vierten Mal hat der BDG ein Gestein des Jahres ausgewählt. Ziel dieser Aktion ist es, Gesteine und ihre Bedeutung für Landschaft, Boden, Vegetation oder als Rohstoff im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Der Kalkstein ist dabei Nachfolger von Basalt (2009), Sandstein (2008) und Granit (2007).

 

  

     
          

Versteinerungen sind in den Kalksteinen der Fränkischen Schweiz sehr typisch. Hier arrangiert in der Terrassenmauer des Gasthauses "Zur Post" in Hohenmirsberg. Öffentlich zugänglich.

 

 

Quelle:

Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG)

Januar 2010. Leichte Änderungen durch GEOPARK Bayern-Böhmen.

Fotos: © Geopark 2010.

 
     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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