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GEOPARK Bayern-Böhmen. Aufbruch ins
Erdinnere.
In den 1980er Jahren machten sich die
Geowissenschaftler in Deutschland auf, eine Lokalität für eine übertiefe
Bohrung zu suchen. Sie fanden sie auf einer grünen Wiese bei
Windischeschenbach und stießen hier zwischen 1989 und 1994 bis in 9101 Meter
Tiefe ins Erdinnere vor. Die Kontinentale
Tiefbohrung in der Oberpfalz (KTB) ist heute eine der
bedeutendsten Forschungsbohrungen der Erde. Von hier ausgehend brachen nach
1994 weltweit Geowissenschaftler zu vielen weiteren Bohrungen und zu völlig
neuen Erkenntnissen über den Planeten Erde auf.
Die Kontinentale
Tiefbohrung Oberpfalz war Ausgangspunkt auch für Überlegungen zu
einem grenzüberschreitenden Geopark Bayern-Böhmen. Es lag nahe, diese
weltweit bedeutende Bohrung und ihren Vorstoß ins Erdinnere thematisch eng
mit dem Geopark zu verknüpfen. Das gewählte Motto „Aufbruch
ins Erdinnere“ spielt einerseits an auf den mit dem Startschuss
zur Bohrung gegebenen Aufbruch in eine ganz neue Dimension der Erkundung des
Planeten Erde. Zum anderen nutzt es die mehrfache Bedeutung des Wortes
„Aufbruch“. Ein „Aufbruch“ kennzeichnet so auch einen großen klaffenden
Bruch in der Oberfläche der Erde (vgl. Egergraben) oder in der
Bergmannssprache einen von unten nach oben gehenden Blindschacht. Das Motto
lädt aber auch jeden Einzelnen dazu ein, aufzubrechen, den Planeten Erde zu
entdecken.
Die Erde unter unseren Füßen
Wie es unter unseren Füßen im Inneren der Erde
wohl aussieht, beschäftigt die Menschen seit frühen Zeiten. Die Vorstellung,
dass die Erde innen hohl sei, findet sich so beispielsweise schon in der
babylonischen Mythologie. Die ägyptischen Pharaonen sollten durch
unterirdische Tunnel unterhalb der Pyramiden Zugang zur Unterwelt haben.
Hades herrschte in der griechischen Mythologie über die Unterwelt, in die
man mit Hilfe des Fährmanns Charon über den unterirdischen Fluss Styx
einfahren konnte. Im 18. Jahrhundert mutmaßte der Mathematiker Euler,
dass das Innere der Erde bewohnt sei. Anfang des 19. Jahrhunderts bewegte
John Cleves Symmes den amerikanischen Kongress zur Finanzierung einer
Expedition an den Südpol, da er dort den Einstieg ins Erdinnere über Höhlen
vermutete. Die Expedition, zu der Symmes mehrfach auch Alexander von
Humboldt öffentlich einlud, scheiterte.
Einer breiten Öffentlichkeit am
bekanntesten ist die Auseinandersetzung mit dem Erdinneren wohl in Form des
Romans „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne, der 1864 in Paris
erschienen ist. Geprägt durch die damaligen Diskussionen über Vulkanismus,
Erdwärme und den Aufbau der Erde hat Jule Verne mit seinem Buch die
Reise des Geologen Prof. Lidenbrocks und seines Neffen Axel ins Innere der
Erde wunderbar beschrieben und gleichzeitig ein Stück
Wissenschaftsgeschichte dokumentiert. Schon vorher gab es allerdings andere
literarische Umsetzungen der zur damaligen Zeit populären Hohlerdetheorie,
so zum Beispiel Ludvig Holbergs Roman „Niels Klims unterirdische
Reise“ (1741).
Im Geopark
Bayern-Böhmen finden sich im besonderen Maße Bezüge zu Jules
Vernes Abenteuer-Roman. Anknüpfungspunkte sind beispielsweise einige von
Jule Verne aufgegriffene Themen, die sogar unmittelbar im
Zusammenhang mit der Geologie im Geopark
Bayern-Böhmen stehen. So führte z. B. Alexander von Humboldt
in den Bergwerken des Fichtelgebirges Temperaturmessungen durch und
untersuchte den Erdmagnetismus. Die im Mittelpunkt des Romans von Jule
Verne stehende Zentralwärme der Erde war zu Zeiten Humboldts und
Vernes eine heftig diskutierte Frage. Alexander von Humboldts
berühmtes Wissenschaftswerk "Kosmos" diente Jule Verne unter anderem
als wissenschaftliche Grundlage seines Romans.
Das Erdinnere erkunden
Auch wenn wir heute mehr über das Innere der
Erde wissen, ist ein Gang in diese hinein immer wieder ein unvergessliches
Erlebnis. Wie wird es im Inneren aussehen, wie geht es hinter der nächsten
Biegung weiter? Im Geopark Bayern-Böhmen
gibt es viele Eingangspforten ins Innere der Erde: Bergwerke, Höhlen und die
unzähligen, in den Untergrund gehauenen Felsenkeller. Ihr Besuch läßt
Jule Vernes Roman Wirklichkeit werden. Die im Untergrund
aufgeschlossenen Gesteinsformationen erzählen uns die geologische Geschichte
Europas von den Anfängen bis heute.
Die Erde bricht auf
Es ist nicht immer notwendig, zur Erkundung der
Erde in sie hinein zu bohren oder in sie hinein zu gehen. Natürliche und
künstliche Aufbrüche des Untergrundes schneiden uns tiefer gelegene
Erdschichten an, über deren Studium wir das Erdinnere erkunden können. Oder
die Erosion hat uns über Jahrmillionen Gesteine an die Oberfläche der Erde
gebracht, die einst viele Kilometer unterhalb entstanden sind. Zu einem
gewaltigen Aufbruch, der die gesamte Struktur des geologischen Aufbaus des
Geoparks entscheidend prägt, gehört das Egerrift
mit seinem zentralen Egergraben in
Böhmen und den Senkungszonen in der Oberpfalz und im Fichtelgebirge. In der
Fränkischen Schweiz liegt in seiner Verlängerung nach Südwesten der
lehrbuchartige Sattelaufbruch des Ahorntals.
Entlang des Egerriftes ist die Erdkruste mit Brüchen bis zum Erdmantel
aufgebrochen und die tief unter der Kruste angesammelten Magmen konnten an
den tiefreichenden Spalten bis an die Oberfläche gelangen. Besonders in
Böhmen finden wir durch das Schrumpfen der Lava auch Höhlen in den Vulkanen.
Ebenfalls Eingangspforten ins Erdinnere?
Aufbruch ins Erdinnere: Bergbau
Aufgebrochen ins Erdinnere waren einst im Gebiet
des Geoparks im besonderen Maße die Bergleute.
In mühevoller Arbeit haben sie sich teilweise über Jahrhunderte hinweg
Hunderte an Metern oder sogar Kilometer weit in den Untergrund hinein
gearbeitet, im nahen Böhmen sogar bis zu 700 m tief. Spuren des Bergbaus
finden sich heute an vielen Orten im Geopark übertage. Mehrere begehbare
Stollen und Schächte laden ein, sich ins Erdinnere aufzumachen.
Mehr als 1000 Höhlen gibt es in der Fränkischen
Schweiz. Wenn vielleicht auch nicht diese Höhlen, aber andere haben Jules
Verne als Vorlage für seine Beschreibungen großer unterirdischer Hohlräume
oder des unterirdischen Ozeans mit seinen lebenden Fossilien gedient. Einige
der von ihm angesprochenen Urzeitriesen wurden auch in den Muschelkalk- und
Schwarzjura-Gruben des Geoparks gefunden.
Aufbruch in den
Geowissenschaften
Waren 1989 die Geowissenschaftler bei
Windischeschenbach aufgebrochen, das Erdinnere mit modernster Technik durch
eine Bohrung zu erkunden, waren bereits 1835 andere ebensolche Pioniere. Auf
Geheiß von Graf Kasper von Sternberg, seinerzeit Direktor des
Naturkundemuseums in Prag, stieß man über viele Schächte und Stollen in den
Untergrund des Vulkans des Komorní hůrka
(Kammerbühl) bei Františkovy Lázně (Franzensbad) vor. Es war das
erste Mal in der Geschichte der Wissenschaft überhaupt, dass man eine solche
Grabung ausschließlich zur Klärung des Aufbaus des Untergrundes durchgeführt
hat. Ein Meilenstein, der zur damaligen Zeit wesentlich das Bild vom Aufbau
der Erde verbesserte. Auf diesen Aufbruch ins
Erdinnere hatte unter anderem Johann Wolfgang von Goethe
hingewirkt. Auch bei ihm finden wir Blicke ins Erdinnere, unter anderem in
seinem Faust:
Als Gott der Herr – ich weiß auch wohl warum –
Uns, aus der Luft, in tiefste Tiefen bannte,
Da, wo zentralisch glühend, um und um,
Ein ewig Feuer flammend sich durchbrannte,
Wir fanden uns bei allzu großer Hellung,
In sehr gedrängter unbequemer Stellung.
Die Teufel fingen sämtlich an zu husten,
Von oben und von unten aus zu pusten;
Die Hölle schwoll von Schwefelstank und Säure,
Das gab ein Gas! Das ging ins Ungeheure,
Sodass gar bald der Länder flache Kruste,
So dick sie war, zerkrachend bersten musste.
(aus: Faust. Der Tragödie Zweiter Teil).
Der Geopark
Bayern-Böhmen lädt seine Besucher ein, das Erdinnere, den
Planeten unter unseren Füßen, unter- und übertage zu entdecken, einerseits
einzutauchen in die Fiktion Jule Vernes, andererseits Faszinierendes
über unsere Erde aus der Sicht der modernen Geowissenschaften zu erfahren.
Neben allgemeinen geowissenschaftlichen Themen und einer Zeitreise durch die
Erdgeschichte bieten wir Ihnen im Geopark mehrere Schwerpunktthemen mit
Bezug zu unserem Motto "Aufbruch ins Erdinnere".
Besuchen Sie uns! Wir freuen uns auf Sie!
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