23.05.2007 | Netzcode: 11015320
GRAFENWÖHR. Der Unterkiefer eines
Höhlenbären, der versteinerte
Fußabdruck eines Dinosauriers oder
ein Steinwerkzeug aus der
Jungsteinzeit, gefunden im Jahr 1964
zwischen Gmünd und Hütten: Derart
spektakuläre Exponate lassen sich
zurzeit im Oberpfälzer Kultur- und
Militärmuseum Grafenwöhr bestaunen.
Wieder ein Beispiel, wie die
"steinreiche" Oberpfalz nach der Ära der
industriellen Massenproduktion eine
andere Art entdeckt hat, die
außergewöhnlich vielfältige Geologie der
Region zu nutzen: Der
Bayerisch-Böhmische Geopark hat die
Ausstellung zusammen mit vielen
Kooperationspartnern gestaltet. Dazu
gehört der Heimatverein Grafenwöhr als
Träger des Museums oder das Institut für
Geologie und Mineralogie der Universität
Erlangen-Nürnberg.
In der Ausstellung wird die
Erdgeschichte Nordostbayerns gezeigt,
die vor 600 Millionen Jahren begann.
Damals sah die Erde ganz anders aus als
heute: Unsere Region lag zwischen
Laurasia, dem "Ureuropa" und Gondwana,
dem "Urafrika" am Rande eines kleineren
Kontinents namens Armorica. Gesteine aus
jener Zeit bilden heute etwa das
Fichtelgebirge. Damals gab es bei "uns"
dagegen ein richtiges Hochgebirge
ähnlich den heutigen Alpen, das
Variszische Gebirge. Das im Laufe von
Jahrmillionen im Zeitraum des Perm (etwa
vor 250 Millionen Jahren) abgetragene
Gestein findet sich heute in Form von
Ablagerungen, zum Beispiel dem "Rotliegenden"
bei Erbendorf oder Weiden wieder.
Heftige Erdbeben und Lava speienden
Vulkane gab es zu dieser Zeit, in der
auch wertvolle Lagerstätten mit Gold und
Silber sowie Blei- und Zinnerzen
entstanden, später die Quarzgänge des
Pfahls und die Flussspatgänge des
Wölsendorfer Reviers. Nachdem das
Variszische Gebirge völlig platt war,
liefen die Senken immer wieder mal mit
Meerwasser voll. Während der Zeit des
Muschelkalks etwa, vor 243 bis 235
Millionen Jahren, stieß von Norden ein
tropisch-warmes Meer bis weit in die
"Oberpfalz" vor. In dem warmen Wasser
tummelten sich Unmengen von Muscheln,
die von Meeressauriern gefressen wurden.
Bis in den heutigen Raum Kemnath kamen
sie, was Funde von Nothosauriern
belegten.
Vor etwa 150 Millionen Jahren, im "Malm",
bildeten Schwämme und Algen die
mächtigen Kalkablagerungen der heutigen
Fränkischen Alb. In diesen Gesteinen
findet man heute viele schöne Ammoniten.
Gegen Ende des Jura (vor etwa 140
Millionen Jahren) lagerten sich auch die
Plattenkalke ab. Im Raum Solnhofen fand
man in solchen Kalkplatten auch mehrere
Exemplare des Urvogels Archaeopteryx.
Ein Modell eines solchen Vogels ist
ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
In der Oberkreide, vor 100 bis 65
Millionen Jahren, bildete sich die "Auerbach-Sulzbach-Amberger
Erzformation", die spätere Grundlage der
Eisenindustrie in der Oberpfalz. Das
heutige Landschaftsbild der Region
entstand relativ spät im Tertiär vor
etwa 30 Millionen Jahren. Aus jener Zeit
stammen auch die Vulkankegel des Rauen
Kulm, des Parkstein oder des Waldecker
Schlossberges. Noch viel mehr kann man
bei einem Rundgang durch die Ausstellung
selbst erkunden.
Sie ist noch bis 30. Oktober zu den
Öffnungszeiten des Museums (Martin-Posser-Straße
14, www.grafenwoehr.de/museum) zu sehen:
Sonntag, Dienstag, Mittwoch und
Donnerstag, jeweils von 14 bis 16 Uhr.
Es gibt auch ein lesenswertes
Begleitheft, das die Geologie der Region
erklärt.
Harald Mohr