02.10.2008 | Netzcode: 1555368|
Kennath |
Neuer Tag
Kemnath
Feuriges Spektakel am Gipfel
Dr. Andreas Peterek erläutert die
Entstehung des Anzensteins - Kammartiger
Verlauf
(hrö) Das
Geheimnis der Entstehung des Anzensteins
lüfte Dr. Andreas Peterek am "Tag des
Geotops". Der Bayerisch-Böhmische
Geopark hatte zu einer
erdgeschichtlichen Wanderung zum Felsen
bei Kemnath eingeladen. Nach dem
Abmarsch in Schönreuth erklärte der
Geologe anhand einer anschaulichen Tafel
zunächst den Kreislauf der Gesteine und
die Entstehung der Vulkane im Anschluss
an den Egergraben.
Peterek nahm die Gelegenheit wahr, die
Bedeutung der "Fränkischen Linie", die
unterhalb des Armesberges verläuft, zu
erläutern. Noch vor rund 80 Millionen
Jahren bildeten das Vorland und das Alte
Gebirge eine landschaftliche Einheit.
Damals wurden im Süden die Alpen
emporgehoben. Als Folge der Auffaltung
wanderte eine Druckwelle im Boden nach
Norden. An den Rändern des
"Grundgebirges" brach die Erdscholle,
das Vorland sank ab und das heutige Alte
Gebirge hob sich hoch.
Bis zu 6000
Meter versetzt
Die kontinentale Tiefenbohrung bei
Windischeschenbach habe ergeben, dass
beide Schollenteile gegenseitig um 4500
bis 6000 Meter hoch versetzt wurden,
erklärte der Geologe. Die schon vor 320
Millionen Jahren vorhandene Bruchlinie
erstreckt sich von Linz bis zur Nordsee
und wird zwischen Weiden und Thüringen
als "Fränkische Linie" bezeichnet.
Bei der
Besprechung der Steinbrüche unterhalb
des Anzensteins konnte die Herkunft
eines mutmaßlichen Steinbruchs im
Sandsteinbereich von einem Teilnehmer
aus Schönreuth geklärt werden. Ein
Landwirt hatte dort kurz vor Kriegsende
einen Bunker angelegt, um sich und seine
Familie vor den einmarschierenden
Siegermächten zu verstecken.
Wie Peterek am Ziel ausführte,
unterscheide sich der Anzenstein von den
Vulkanen in seiner Nachbarschaft
dadurch, dass der Magmenaufstieg entlang
einer mehrere hundert Meter langen, aber
nur 20 bis 30 Meter breiten Erdspalte
erfolgt sei. Diese reichte über 50
Kilometer in die Tiefe, da von dort die
Basalte der Oberpfälzer Vulkane gekommen
seien.
Daher hat der Anzensteingipfel auch
seinen kammartigen Verlauf. Den Gipfel
bauen vor allem die stark zertrümmerten
Brekzien (Sedimentgestein aus kantigen,
gebrochenen Komponenten) auf, die bei
den Eruptionen entstanden sind. Oft sind
darin Nebengesteine aus der Wand der
Förderspalte, zum Beispiel Quarze oder
Sandsteine und zugerundete
Basaltgerölle, zu sehen. Am Felsen, auf
dem das Kreuz befestigt ist, ist zu
erkennen, wie in den Brekzien Spalten
aufgegangen sind, die dann mit
aufsteigendem Basalt gefüllt wurden.
Sowohl südlich als aus nördlich des
Gipfels sind ebenfalls massive Basalte
aufgedrungen.
Nur Buche steht
noch
In den vergangenen Jahren wurde der
Baumbestand im Gipfelbereich
zurückgeschlagen, um den Anzenstein mit
seinem Gipfelkreuz wieder von Kemnath
aus sehen zu können. Die noch stehende
alte Buche mit ihren eingeschnitzten
Herzen und Inschriften hat wohl manche
Erinnerung an schöne Schäferstunden am
Anzenstein vor der Motorsäge gerettet.