Über heißes Pflaster
Geologische Wanderung mit Dr. Andreas
Peterek
FUCHSMÜHL/WIESAU.
Lustig sprudelt das Quellwasser aus den
Sauerbrunnen in Kondrau und Ottobad,
aber auch bei Fuchsmühl oder beim nahen
tschechischen Mýtina. Und immer ist es
braun gefärbt. Was es damit auf sich
hat, erfuhren die Teilnehmer einer
geologischen Wanderung, die der Geopark
und der Naturpark Steinwald am Samstag
anboten.
Los ging es bei Fuchsmühl, von wo die
Wanderer in Richtung Osten einen
herrlichen Blick auf eine gut 100 Meter
tiefer liegende Senke haben. Und die
Aussicht wird immer besser: Im Schnitt
um einen Zehntel Millimeter im Jahr
senkt sich die Ebene immer noch ab, so
wie seit vielen Millionen Jahren. Wir
stehen am Rand eines riesigen
Grabenbruchs, dem Egergraben, erklärt
Geologe Dr. Andreas Peterek, der Leiter
des Geoparks.
Wie bei einem aufgehenden Kuchen platzte
die Erdkruste oben auf, als sich die
Landmassen hier vor langer Zeit
zusammenschoben. Der Mittelteil rutscht
seither ab. An den Rissen, welche die
ganze - hier etwa 30 Kilometer dicke -
Erdkruste durchziehen, dringt
Kohlendioxid aus dem Erdmantel nach
oben. Trifft das Gas auf das
Grundwasser, bildet ein Teil davon
Kohlensäure, die das Wasser sauer
schmecken lässt und Eisen aus dem
Gestein löst, wodurch das Wasser
rostbraun gefärbt wird. Das im Wasser
gelöste Kohlendioxid erkennt man an den
aufsteigenden Gasblasen.
Vor 20
Millionen Jahre kam durch die Risse aber
noch ganz andere Post aus dem
Erdinneren: 1000 Grad heiße, flüssige
Magma. Bei diesen Eruptionen kam es
nicht zur Bildung eines Vulkans, sondern
die Magma (die nach ihrem Austritt Lava
genannt wird) breitete sich flächig auf
der Erdkruste aus. Das kann man heute im
Triebendorfer Steinbruch sehen. Bis vor
einigen Jahren wurde hier Basalt
abgebaut. Basalt ist nichts anderes als
erstarrte Lava.
An den Grenzen des Abbaugebietes ist die
"Triebendorfer Basaltdecke", wie die
Geologen sie nennen, sauber
aufgeschlossen. Man sieht schöne
Basaltsäulen. Früher dachte man wegen
der vieleckigen Form, das seien
Kristalle. "Beim schnellen Abkühlen der
Lava entstehen Schrumpfungsrisse",
berichtigte Dr. Andreas Peterek diese
Fehleinschätzung. Wie bei einer
austrocknenden Pfütze schrumpft das
Material. In diesem Fall durch die
Abkühlung, wodurch ein "polygonales
Rissmuster" entsteht, das wie ein
Kristall aussieht. Zur Bildung von so
großen Kristallen hätte die Lava aber
gar nicht genug Zeit gehabt.
Interessant
auch der unscheinbare Torberg, der dem
Großen Teichlberg vorgelagert ist. Vor
einigen Jahren entdeckten die Geologen
hier einen völlig neuen Vulkantyp. "Der
Torberg ist der Rest eines Maars",
erklärte Dr. Andreas Peterek. Maare
waren in Deutschland bislang nur in der
Vulkaneifel bekannt. Sie sind
entstanden, als Magma mit Grundwasser in
Berührung kam, das daraufhin
explosionsartig verdampfte und riesige
Krater in die Erdkruste riss. Während
die Maare in der Eifel meist mit Wasser
gefüllt sind, ist der Torberg längst
wieder mit Sedimentgestein aufgefüllt,
weshalb er bislang auch nicht auffiel.
Dies alles geschah zwar vor vielen
Millionen Jahren. "Seit etwa 500 000
Jahren scheint es aber wieder eine
Aktivitätsphase zu geben", erklärte Dr.
Andreas Peterek. Die jüngsten Vulkane
der Region, der Kammerbühl und der
Eisenbühl, werden sogar auf nur 100 000
bis 300 000 Jahre geschätzt. Für einen
Geologen ist das sozusagen gerade erst
gewesen. Erst vor wenigen Jahren haben
Wissenschaftler kleine, aber in Scharen
auftretende Mini-Erdbeben in der Region
entdeckt und sie "Schwarmbeben" genannt.
"Sie werden wahrscheinlich durch
aufsteigende Magma ausgelöst, die wie
ein Schmiermittel wirkt", vermutet Dr.
Andreas Peterek.
Angst vor einem unmittelbar
bevorstehenden Vulkanausbruch brauche
man zwar nicht zu haben, versichert der
Geologe. Aber irgendwann wird der
Vulkanismus wieder aktiv werden, wenn
auch vielleicht erst in ein paar
Hunderttausend Jahren. "Unter dem Egerer
Becken ist eine aktive Magmenkammer",
ist Dr. Andreas Peterek jedenfalls
sicher. Harald
Mohr