Sehr viel mehr als Dreck
"GEO-Tour Boden" soll Blick nach unten
richten
TIRSCHENREUTH.
Schon einmal einen "Allobophora
smaragdina" gesehen? Das ist eine -
zugegeben seltene - von derzeit 39
heimischen Regenwurmarten, die durch
ihre smaragdgrüne Farbe sofort auffällt.
Auffallen würde, würde man mehr auf den
Boden schauen. Aber man tritt auf ihm
herum, kratzt ihn sich von den Schuhen
und denkt ansonsten nicht weiter an ihn:
Der Boden führt ein Dasein buchstäblich
im Untergrund. Das GEO-Zentrum an der
KTB und der Bayerisch-Böhmische Geopark
wollen deshalb jetzt, dass der Wanderer
öfter mal den Blick nach unten richtet:
Acht Schautafeln, verstreut auf
Standorte in den Landkreisen
Tirschenreuth, Wunsiedel und
Neustadt/WN, widmen sich Themen rund um
den Boden.
Vorausgegangen war der Idee die "GEO-Tour
Granit". Die GEO-Touren sind keine
zusammenhängenden Lehrpfade, sondern
stellen punktuell Informationen zu einem
Thema unter verschiedenen Aspekten zur
Verfügung. Vorgestellt wurde die "GEO-Tour
Boden" jetzt an einem typischen Standort
der acht Informationstafeln: einer
Wegkreuzung im Großenseeser Wald bei
Münchsgrün nördlich von Tirschenreuth.
Da kreuzen sich nicht nur mehrere
Wander- und Radwege, hier findet man
auch eine Besonderheit, die natürlich
etwas mit dem Thema Boden zu tun hat:
Hier gibt es zwar keine grünen
Regenwürmer (die findet der Beobachter
am ehesten in einem Buchenwald), dafür
etwa 2000 Ameisenhaufen auf einem scharf
begrenzten Gebiet - ein bis heute
unerklärtes Phänomen, obwohl schon
Wissenschaftler mehrerer Universitäten
daran forschen.
Im Sommer
steht hier auch eine weitere Infotafel
über die Ameisen. Diese Verknüpfung mit
dem bestehenden Angebot ist ein Prinzip
der GEO-Touren. Auch der Freistaat
Bayern hilft: Den Bayerischen
Staatsforsten, einer Anstalt des
Öffentlichen Rechts mit Sitz in
Regensburg, gehört heute der Staatswald,
zu dem auch der Großenseeser Wald
gehört. Georg Schneider, Leiter des
Forstbetriebs Waldsassen der Bayerischen
Staatsforsten: "Wir sind mehr als eine
reine Holzeinschlagsfirma." Der größte
Waldbesitzer im Landkreis hat gerne
erlaubt, dass vier der acht Infotafeln
auf Staatswaldgebiet gestellt werden.
Dr. Frank Holzförster vom GEO-Zentrum an
der KTB: "Boden ist sehr viel mehr als
Dreck." Vielmehr bilde das verwitterte
Gestein eine "Schnittmenge verschiedener
Systeme", nämlich der Atmosphäre,
Hydrosphäre und Biosphäre. Dort wimmelt
es nur so von Leben. Und um das geht es
an der Tafel bei Münchsgrün. Aber über
den Boden gibt es noch mehr zu sagen.
Das wird an den anderen sieben
Standorten der Infotafeln erklärt.
In Pfaben im
Steinwald erfährt der Spaziergänger
etwa, wie Boden überhaupt entsteht,
nämlich durch Verwitterung von Gestein
und den Abbau organischer Substanzen. Am
Föhrenbühl bei Grötschenreuth wird
gezeigt, wie sich die Natur auch an
schwierige Böden anpasst wie den, der
hier durch Verwitterung von Serpentinit
entstanden ist. In Mehlmeisel geht es
speziell um den Waldboden mit seiner
typischen Streuauflage.
Die Tafel in Weißenstadt (Landkreis
Wunsiedel) verrät, wie wichtig der Boden
für den Wasserkreislauf ist. Am
Volkskundlichen Gerätemuseum in
Bergnersreuth bei Arzberg (Landkreis
Wunsiedel) steht eine Infotafel, die
sich mit dem Thema "Boden und
Landwirtschaft" beschäftigt. Über die
Vielfalt der Böden informiert die Tafel,
die am Parkplatz am Beginn des
Walderlebnispfades in Waldsassen
aufgestellt wurde. Am Barbaraberg bei
Speinshart (Landkreis Neustadt/WN)
schließlich erfährt der Besucher, welche
Bedeutung der Boden als "Archiv" hat,
wenn er nämlich Spuren der
Siedlungsgeschichte konserviert.
Zur "GEO-Tour Boden" ist auch ein
Faltblatt erschienen, das über die
Standorte und ihre Themen informiert und
das bei den Tourist-Informationen, dem
GEO-Zentrum an der KTB und der
Geschäftsstelle des Geoparks erhältlich
ist. Eine Beschreibung der
Tafelstandorte findet der Interessierte
auch im Internet unter
www.geozentrum-ktb.de und
www.geopark-bayern.de.
Harald Mohr