Weißenstadt
Ganz im Zeichen des Zinns
Tagung | Zum sechsten Mal ist
Weißenstadt der Treffpunkt von vielen
Experten bei den montanhistorischen
Tagen.
Weißenstadt
- Zum sechsten Mal fanden die
Montanhistorischen Tage in Weißenstadt
statt. Diesmal standen sie unter dem
Motto "Die Bayerisch-böhmische
Zinnerz-Region".
Mit knapp 40
Teilnehmern aus der Region, Mainz,
Nürnberg, Pegnitz und Kronach und
ausgezeichnetes Referenten wurde dieses
Symposium für Fachleute und Laien ein
voller Erfolg.
Zinn gehört
zu den ältesten vom Menschen genutzten
Metallen. Seine Verwendung in einer
Legierung mit Kupfer gehört zu den
bedeutendsten technischen Entwicklungen
vorgeschichtlicher Zeit und begründet
die Bronzezeit. Erst im hohen
Mittelalter wurde bisher der Abbau des
Zinns im Fichtelgebirge und in
Westböhmen als gesichert angenommen.
Insbesondere der Kaiserwald und das
Erzgebirge entwickelten sich seit dieser
Zeit zu Zentren der europäischen
Zinnproduktion.
Zunächst
führten Hein Zahn und Günter Wein die
Teilnehmer zur Besichtigung des
Besucherbergwerks "Mittlerer Name
Gottes" nach Goldkronach. Nach diesem
Rundgang nahmen die Mineralienfreunde
ein gemeinsames Mittagessen ein, bevor
VHS-Leiter Dieter Schmidt, Bürgermeister
Frank Dreyer und Stellvertretender
Landrat Horst Weidner die Teilnehmer im
Gollerhaus zu einer Vortragsreihe
begrüßten. Schmidt wies auf die
Zusammenarbeit der Volkshochschule,
Stadt Weißenstadt und des
Bayrisch-Böhmischen Geoparks hin.
Nachdem Dreyer einiges über die Historie
des Gollerhauses gesagt und einen
Zukunftsblick ins Heilbad gegeben hatte,
stellte Weidner die Schönheiten des
Landkreises vor. Den Vortragsteil
eröffnete Dr. Andreas Peterek vom
Bayerisch-Böhmischen Geopark mit
Informationen zur Entstehung der
Zinnlagerstätten in Ost und West, die
viele Gemeinsamkeiten aufweisen und in
enger Verbindung zu den Graniten stehen.
Allerdings sei die Bedeutung des
jahrhundertelangen Zinnabbaus in
Westböhmen wegen der dort sehr viel
höheren Erzgehalte in den Lagerstätten
weit größer als im Fichtelgebirge. Dies
habe dort zu eindrucksvollen
montanhistorischen Zeugnissen geführt,
darunter Bergsenkungen mit vielen
hunderten Metern im Durchmesser.
Typische Mineralien
Der
Mineraliensammler Stefan Meier
präsentierte in eindrucksvollen Bildern
typische Bergmineralien der
Zinnvorkommen im Fichtelgebirge.
Mit
besonderer Freude begrüßte
Mitveranstalter Peterek den
Archäometallurgen Dr. Mike Haustein, der
eigens aus Mannheim vom renommierten
Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie
angereist war, um den Anwesenden
aktuelle Forschungsergebnisse zur
Herkunft des Zinns in der Himmelsscheibe
von Nebra zu erläutern. Die kreisrunde
und 32 Zentimeter durchmessende
Bronzescheibe mit eingearbeiteten
Goldobjekten ist die weltweit älteste
konkrete Himmelsdarstellung und eine der
bedeutendsten archäologischen Funde der
frühen Bronzezeit. Sie war 1999 nahe der
Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden
worden. Lange Zeit galten ausschließlich
die Ostalpen als Herkunftsgebiet des
Zinns, das zur Herstellung der Bronze
der Himmelsscheibe verwendet worden war,
doch kamen auch die reichhaltigen
Zinnvorkommen des Fichtelgebirges und
des Erzgebirges dafür in Frage, so der
Referent. Dr. Heinz Zier beschloss die
Vortragsreihe mit einem Beitrag zum
Thema: Bergkristall-Vorkommen und
-Bergbau in Weißenstadt. Zier ist
langjähriger Begleiter der
Montanhistorischen Tage.
Am Abend
hatten die Teilnehmer die Möglichkeit,
eine der Führungen des Weißenstädters
Willi Sack durch die Kristallgänge zu
erleben.
Die
Ganztagesexkursion am zweiten Tag führte
zu montanhistorischen Zeugnissen im
Westerzgebirge, darunter das
Uran-Besucherbergwerk in Joachimstal
(Tschechei) und die Zinn-Bergbaustädte
Gottesgab und Frühbuß. Die Leitung
hatten Dr. Andreas Peterek und der
tschechische Geologe Dr. Petr Rojik. B.
B