Von (spz) |
02.03.2009 | Netzcode:
1735690 |
Neuer Tag
Windischeschenbach
Erkenntnisse aus der Tiefe
Dr. Frank Holzförster, Leiter des
Geo-Zentrums, referiert über die
Bohrungen
Windischeschenbach. (spz) Über 60
Zuhörer freute sich Andreas Peterek vom
Bayerisch-Böhmischen Geopark bei einem
Vortrag über die Ergebnisse der
Kontinentalen Tiefbohrung. Referent war
Dr. Frank Holzförster, seit einem Jahr
Leiter des KTB. Er beleuchtete den
wissenschaftlichen Nutzen der
Bohrergebnisse und stellte die Frage:
"Was hat das KTB-Programm gebracht im
Nutzen für die Menschen?"
Laut den
Aussagen des "waschechten Geologen", wie
er sich selbst bezeichnete, seien im
Dezember 1994 die Tiefbohrungen beendet
worden, die Ende der 70er Jahre
begannen. Nach nunmehr 15 Jahren könne
man über viele Dinge berichten, die
bisher noch nicht an die Öffentlichkeit
gelangt seinen. Ziel der Bohrung sei die
"Grundlagenforschung über die
physikalischen und chemischen
Zustandsbedingungen und Prozesse in den
Tiefen der Erdkruste zum Verständnis von
Dynamik und Evolution intrakontinentaler
Krustenbreite" gewesen.
Krustenstruktur
Ausschlaggebend
für das Zielgebiet nördliche Oberpfalz
sei neben der Alternative Schwarzwald
gewesen, dass das Gebiet zur
tschechischen Grenze warm genug war und
parallel zu diesem Gebiet die Grenze von
Urafrika und Ureuropa verläuft. Dies sei
aber nur an der Oberfläche erkennbar, so
der Geologe. Das wissenschaftliche
Ergebnis der Krustenstruktur zeige das
seismische Profil einer Dehnzone. Die
Dichte der Steine sei unterschiedlich.
Dichtesprünge verursachten seismische
Reflektoren. Die Reflektoren seien aber
sehr deutlich zu sehen.
Dem
Forscherteam sei es zum ersten Mal
gelungen, den seismischen Reflektor zu
durchbohren, der eine Erdbebengrenze
darstellt. Dies könne man direkt mit der
fränkischen Linie feststellen, die in
Altenstadt an der Ausfahrt der A 93
verläuft. Aufgrund dessen sei heute
deutlich zu sehen, dass Süddeutschland
von der fränkischen Linie abgesenkt
wurde, so der Referent. Durch die
Geo-Elektrik sei es ebenfalls auch
erstmals möglich gewesen, einen steil
gestellten elektrischen Leiter zu
durchbohren, der durch eine tectonische
Verwerfungszone belegt werden könne. Als
Verwerfungszone wird ein Gesteinspaket
bezeichnet, das gegeneinander versetzt
wurde. Dies zu beweisen gebe es zwei
verschiedene Methoden, zum einen die
Seismic, zum anderen die Geo-Elektric.
Ein weiterer
Gesichtspunkt war die Rheologie. Diese
umschreibt das Verhältnis von der
Beanspruchung und der Verformung von
Steinen. Gesteine können durch
Erdbebenwellen gedehnt werden. Dies
versinnbildlichte Dr. Holzförster mit
einer im Handel erhältlichen Knetmasse,
dem "Hüpfstein". Für die Verformung
seien die Dauer der Beanspruchung, die
Gesteinsart, der Umgebungsdruck und die
Umgebungstemperatur ausschlaggebend.
In der Tiefe wärmer
Das KTB liege im Übergangsbereich von
reibungskontrollierter und viskoser
Verformung. Je wärmer das Gestein sei,
desto brüchiger sei dies. Bruch gebe es
nur bei Temperaturen unter 300 Grad. Die
Temperatur an der Bohrsohle des KTB
liege bei 275 Grad. Bei der Geothermie
sei auffällig, dass die
Wärmestandsdichte im oberen
1000-Meter-Bereich variiert. In der
Tiefe sei es wärmer als oben. Jede
Gesteinsart habe eine andere
Wärmeleitfähigkeit. Die sei wichtig für
die künftige Nutzung von Erdwärme, so
der Referent. Süddeutschland sei gut für
die Geothermie zu nutzen. Das Landesamt
für Umwelt untersuche hierfür derzeit
Gebiete in der Oberpfalz.
Lernort und Museum
Die
Technologie habe vom KTB ebenfalls
profitiert. Die Anlage sei sehr stark
automatisiert gewesen. Es mussten zwei
spezielle Bohrtürme sowie neue
Messtechniken und Sonden entwickelt
werden. Seit der Einstellung der
Bohrungen habe sich das KTB zum Lernort
und Museum entwickelt, und es werden
Forschungsergebnisse an die
Öffentlichkeit gebracht. Im Sommer 2008
testete auf der Anlage eine Göttinger
Forschergruppe eine neu entwickelte
Bohrloch-Magnetometersonde.
Weitere
Forschungen seien wichtig, da aufgrund
der immer weniger werdenden Rohstoffe
der Tagebau in Zukunft in Schachtbau
umgewandelt werden müsse. Für die
Forschung in der Erdkruste seien 590
Millionen Deutsche Mark in die
Geowissenschaften geflossen. Das seien
Ausgaben, die sich gelohnt haben.
"Die
Forschungen am tiefsten Loch sind zum
besseren Verständnis des Systems Erde
zum Erfolgsmodell geworden", sagte er.
Bei den Bohrungen habe es aber auch
viele Rückschläge gegeben, unter anderem
Wasserzuflüsse. Durch den Gebirgsdruck
kam es auch immer wieder zu
Gesteinseinbrüchen. Und es mussten neue
Bohrspültechniken entwickelt werden, so
Dr. Holzförster.