Von (maw)
| 09.09.2009 | Netzcode: 1991958 | Neuer
Tag
Speinshart
Wurmgänge und Saurierfährten
Geowissenschaftler
begeistert von Tongrube am Barbaraberg -
Erdgeschichtliche Wanderung
Speinshart. (maw) Die Tongrube am Fuße
des Barbaraberges gehört zur Gemeinde
Speinshart wie das Klosterdorf oder der
Fußballplatz in Tremmersdorf.
Wahrgenommen wird sie aber kaum, und
wenn doch, dann meist als hässlicher
Schandfleck. Welche "Schätze" jedoch
darin stecken, ahnt kaum jemand. Dr.
Andreas Peterek und Kurt Pongratz vom
Geopark Bayern gaben bei einer Wanderung
einen Einblick in die faszinierende
Geologie.
"Während
andere Teile der Oberpfalz und Frankens
bereits geologisch erschlossen sind,
beginnt unsere Arbeit jetzt auch in der
nördlichen Oberpfalz", erklärt Dr.
Peterek. "Die Bedeutung der Grube für
die Geowissenschaften und die dortigen
Möglichkeiten zur Veranschaulichung
geologischer Themen für die
Öffentlichkeit haben den
Bayerisch-Böhmischen Geopark veranlasst,
mit der Gemeinde Speinshart in Kontakt
zu treten." Grundsätzlich habe sich die
Kommune dafür ausgesprochen.
Wie im Wattenmeer
Dr. Peterek erläuterte den prinzipiellen
Aufbau einer Keuper-Landschaft und die
Bedeutung der aufgelassenen Grube am
Fuße des Barbarabergs. Die geologische
Zeit des Keupers liegt zeitlich zwischen
dem Ende des Muschelkalks vor 235
Millionen Jahren und dem Beginn des
Juras vor 205 Millionen Jahren.
Die Führung begann in Speinshart in
Schichten des Muschelkalks (auf denen
das Kloster steht), erdgeschichtlich
also vor rund 240 Millionen Jahren, und
endete am Barbaraberg in Schichten des
mittleren Keupers vor rund 220 Millionen
Jahren.
Muschelkalk
und Keuper sind Formationen, die mit dem
älteren Buntsandstein die geologische
Epoche der Trias (Dreiheit) aufbauen.
Der Begriff "Keuper" leitet sich laut
Dr. Peterek aus den fränkischen
Bezeichnungen "Kiefer", "Kieber" oder "Keiper/Kuiper/Keuper"
für die bunten Tongesteine dieser
Formation ab. Die Zeit des Keupers ist
geprägt von überwiegend festländischen
Bedingungen: "Süddeutschland war zu
dieser Zeit nicht wie im Muschelkalk von
einem Meer überflutet." Während im Raum
Bayreuth zu jener Zeit bereits offene
Meeresbedingungen herrschten, lag die
Region Eschenbach/Speinshart/Grafenwöhr
in einer Art Wattenmeer-Situation.
"Das bedeutet, dass hier statt der sonst
in Süddeutschland üblichen Kalksteine
fast ausschließlich Sandsteine
abgelagert wurden." Zudem fiel der
Küsten-/Wattenmeerstreifen im Rhythmus
der Gezeiten immer wieder trocken. Die
Sande, aus denen sich durch Verfestigung
die Sandsteine bildeten, hatten große
Flüsse von Süden herantransportiert,
wusste der Geologe.
Die
Keuperablagerungen zwischen Speinshart
und Barbaraberg bestehen aus einer
Wechselfolge von Sand- und Tonsteinen.
Die bedeutendste Einschaltung an
Tonsteinen findet sich in der Grube am
Barbaraberg. Peterek: "Sie gilt bei
Geowissenschaftlern als bedeutender
Aufschluss, der in seiner Bedeutung der
geologisch gleich alten, berühmten
Bodenmühlwand bei Bayreuth nicht
nachsteht." Die Tongrube ist nach seinen
Worten derzeit der einzige Aufschluss
Bayerns, der die Verzahnung von sonst
üblichen Tonablagerungen als
Seeablagerungen mit wiederholten
Sandschüttungen von Flüssen in den See
hinein zeigt.
So finden sich mehrere
Sandsteinschichten in der Grube. "In den
Sandsteinlagen sind in der Grube
besonders schöne Sedimentstrukturen
erhalten", erklärte der Geologe.
Wellen und Kristalle
Dazu gehören Wellenrippeln,
waschbrettartige Muster, die auf die
damaligen Wellenbewegungen durch den
Wind zurückgehen, Trockenrisse, die beim
Trockenfallen des Seebodens und
Austrocknen im Schlamm entstanden und
bei der nachfolgenden Überflutung mit
Sediment verfüllt und überliefert
wurden, ebenso Wurmgrabgänge und fossile
Regentropfen. Beschrieben wurden auch
Saurierfährten.
In den
Tonablagerungen findet man häufig
würfelige Steinsalz-Kristallmarken. Laut
Peterek wurden sie dadurch gebildet,
dass beim Verdunsten des Wassers
würfelige Steinsalzkristalle im Sediment
wuchsen. Als sich der See wieder mit
Süßwasser füllte, wurden die
Steinsalzkristalle aufgelöst und die
Kristallform mit Sediment gefüllt. Die
ursprüngliche Ablagerungssituation der
Sedimente der Tongrube entspricht der
von so genannten Schotts im nördlichen
Afrika, wie beispielsweise Chott el
Djerid in Tunesien.