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| GeoRadTour
1 Oberpfälzer Kegeltour |

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Waldecker
Schlossberg (Vordergrund) und Rauher Kulm (Hintergrund)
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Oberpfälzer
Kegeltour
Erbendorf
- Waldeck - Zwergau - Erbendorf (25 km)
Mit
reizvollen landschaftlichen Ausblicken, anspruchsvollen Anstiegen und
langen Abfahrten streift die Oberpfälzer Kegeltour rund 600 Mio. Jahre
Erdgeschichte. Besonders widmet sich die Tour jedoch im Umfeld von
Atzmannsberger Kuschberg, Rauhem Kulm, Waldecker
Schlossberg, Anzenstein
und Armesberg den jüngsten geologischen Zeugnissen der Region: den tertiären
Basaltkegeln des Oberpfälzer Hügellandes.
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Tourenkarte
Geologische
Karte
Höhenprofil
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Ausgangspunkt
ist Erbendorf (Haltepunkt 1), die alte Bergbaustadt am Fuße des
Seinwaldes. Hier wurde bereits im 14. Jahrhundert am Silberrangen nach Gold-
und Silber-führenden Erzen geschürft, wahrscheinlich sogar schon früher.
Seine Blütezeit erlebte der Bergbau aber erst im 16. Jahrhundert mit der
Suche nach silberhaltigen Blei- und Zinkerzen (Bleiglanz und Zinkblende).
Gebunden ist das Erz an durchschnittlich 30 bis 100 cm, maximal 260 cm
starke Quarzadern, so genannte Quarzgänge. Diese durchziehen das
Erbendorfer Revier in NW - SO und untergeordnet auch in N - S Richtung.
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Zahlreiche Straßennamen zeugen von der
Bergbauvergangenheit Erbendorfs
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Im Zuge
des Erzbergbaues stieß man 1853 auf Steinkohle, deren Vorhandensein
allerdings schon 1654 urkundlich erwähnt wurde. Das Steinkohleflöz ist
durchschnittlich 2 m, stellenweise sogar 7 - 9 m mächtig und wurde in den
Folgejahren auf einer Streckenlänge von 1 km und bis in 120 m Tiefe
abgebaut. Es ist eine Besonderheit des Erbendorfer Bergbaues, dass hier in
ein und demselben Bergwerk Erz und Kohle abgebaut werden konnten! In der über
400-jährigen Bergbaugeschichte des Ortes wurden Bergbaustrecken und Stollen mit
einer Gesamtlänge von 15 - 20 km aufgefahren, die in Tiefen bis zu 150 m
hinabreichen. Abgebaut wurde mit Unterbrechungen bis 1925/26, bis die
Konkurrenz aus Böhmen den Betrieb unrentabel machte. Zudem war der Einbruch
großer Mengen an Wasser in die Bergwerke zur damaligen Zeit technisch nicht
mehr zu meistern. Das eingedrungene Wasservolumen wird auf 100.000 Kubikmeter geschätzt.
Der Bergbau in Erbendorf wurde daher eingestellt.
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Abzweigung in die Bergwerkstraße
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Die in
Erbendorf tätigen Bergleute kamen anfangs aus Joachimsthal (Böhmen) und
aus Goldkronach. Die Verbindung nach Goldkronach zeigte sich auch in der Gründung
der "Erbendorfer und Brandholzer Erzbergbau- und Hüttengewerkschaft"
im Jahre 1857. Im 19. Jahrhundert wurden die Blei- und Zinkerze von
Erbendorf auch in Brandholz bei Goldkronach verhüttet bzw. als Flussmittel
bei der Goldgewinnung eingesetzt. Löhne und Gehälter
in Erbendorf und im Goldkronacher Revier wurden in bayerischen Zweiguldenstücken
bezahlt. Diese waren aus Erbendorfer Silber geprägt und trugen die
Umschrift: " Segen des Bergbaues zu Erbendorf".
Die lange
Bergbautradition zu Erbendorf hat ihren Niederschlag in der Bezeichung der
Straßen westlich des Friedhofes gefunden. Die Radtour führt an ihnen
vorbei: Bergwerkstraße (dieser folgt der Radweg), St.
Barbara-Straße, Bergknappenstraße, Grubenstraße und andere. Die St. Barbara-Straße trägt
ihren Namen nach der Schutzpatronin der Bergleute und der Geologen, der
Heiligen Barbara [mehr in Kürze].
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>> Dort,
wo unsere Radstrecke von der Bergwerkstraße Richtung Schadenreuth abzweigt,
kann man nach ca. 100 m der Bergwerkstraße bis zum Haus Nummer 40 folgen (Haltepunkt
2). Dieses Haus ist das einzige bis heute erhaltene Zeugnis des Bergbaus
des frühen 20. Jahrhunderts und gehörte zum Übertagebetrieb der
"Vereinigten Erbendorfer Gewerkschaft Steinkohlen- und
Erzbergbau". Die Gebäudegruppe, zu der das Gebäude Nr. 40 gehörte,
ist im unten abgebildeten Grubenplan eingetragen. Unmittelbar westlich lagen die bis in 120 m Tiefe
hinabreichenden Schächte und Stollen der Gewerkschaft.
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Bergwerkstraße 40 |
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Geologische
Information
Etwa
entlang der in der Routenkarte gelb-blau eingetragenen Linie verläuft eine
geologisch bedeutsame Grenzlinie, die so genannte Erbendorfer Störungslinie
(zwischen den Haltepunkten 2 und 3). Südlich davon finden sich Gneise, die zum Variskischen Gebirgskörper gehören. Dieses
Variskische
Gebirge ist vor 400 - 280 Mio. Jahren entstanden, als durch die Kollision
zweier Urkontinente große Gesteinsmassen mehrere Kilometer übereinander
getürmt wurden. Dabei sind in großer Tiefe die Gneise entstanden. Aus noch
größerer Tiefe drangen glutflüssige Gesteinsschmelzen (Magmen) auf und
erstarrten - bevor sie die Erdoberfläche erreichten - zu den Graniten
(Oberkarbon bis Rotliegendes). Das sich langsam heraushebende Variskische
Gebirge (ein Vergleich mit den Alpen sei hier erlaubt) zerbrach besonders in
der geologischen Zeit des späten Oberkarbons und des Rotliegenden (=
Permokarbon) in einzelne Blöcke. Diese Blöcke wurden entweder heraushoben
und abgetragen oder senkten sich ab und nahmen als Sedimentbecken den
Abtragungsschutt der Hebungsgebiete auf. Die oben genannte Erbendorfer Störungslinie
begrenzt ein solches Sedimentbecken (im Nordwesten; = Erbendorfer
Permokarbonbecken) gegenüber einem Hebungsblock südöstlich davon (hierzu
gehören unsere Erbendorfer Gneise). Als Besonderheit bildeten sich im Erbendorfer Permokarbonbecken
auch Steinkohlenflöze (ganz vergleichbar zu den größeren Steinkohlenflözen
im Ruhrgebiet).
Während
sich das Erbendorfer Permokarbonbecken absenkte wurden die in ihm
abgelagerten Schichten - darunter auch das Steinkohlenflöz - verstellt. Das
Kohlenflöz taucht daher steil nach N ein, so dass die Schacht- und
Grubenanlagen nach Norden immer tiefer angelegt werden mussten (siehe
Grubenplan). Die in NW - SO und N - S Richtung verlaufenden erzführenden
Quarzadern sind übrigens jünger als die Steinkohle, da die Adern auch die
Kohle durchschlagen.
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>> Wir
fahren ein Stück zurück und folgen der bergauf führenden Straße Richtung
Schadenreuth. Schon wenige Metern nach der Abzweigung haben wir die
Erbendorfer Störung überfahren, die an der Oberfläche jedoch nicht
erkennbar ist. Von nun an führt uns unser Weg die nächste Zeit durch das
Permokarbonbecken von Erbendorf. Hin und wieder weisen auffällig rötliche
Bodenfarben darauf hin (Name Rotliegendes!). Dort, wo die Straße wieder
flacher wird (an der Abzweigung nach Grötschenreuth; Sitzbank,
Wasserbohrung), lädt der freie Blick auf den Steinwald, das Fichtelnaabtal
bis hinauf in das Quellgebiet der Fichtelnaab am Ochsenkopf, und zur Platte
oberhalb von Schadenreuth zum Verweilen ein (Haltepunkt 3).
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Geologische
Information
Zwischen
unserem Standort und dem Steinwald liegt das Tal der Fichtelnaab. Es folgt
einer NW-SE verlaufenden Verwerfungszone, in der die Gesteine zerbrochen
sind und sich die Fichtelnaab daher ein markantes Flusstal schaffen konnte.
Jenseits des Fichtelnaabtales erhebt sich der Steinwald. Dieser wird nahezu
vollständig aus einem leicht wieder zu erkennenden Granit aufgebaut, der in
der Region auch als Steinwaldgranit bezeichnet wird.
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Das Bergbaurevier heute -
gesehen von Norden. Die Gebäude stehen größtenteils über den alten
Bergwerksstollen. |
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| >> Der
weitere Weg führt uns bis Schadenreuth mäßig bergauf, ab Schadenreuth
geht es steil hinauf zur Platte (Haltepunkt 4). Doch belohnt - oben
angekommen - der weite Blick hinab in die von Steinwald (im Norden),
Hessenreuther Forst (im Südwesten) und dem Gebirgszug südlich von Weiden
umrahmte Tiefebene die Mühe (kurz vor der höchsten Höhe vor der Busch-
und Baumreihe über den Feldweg nach rechts auf den freien Platz gehen; dort
befindet sich auch eine Sitzbank). Über Erbendorf hinweg ist bei
Windischeschenbach der Bohrturm der Kontinentalen Tiefbohrung Oberpfalz (KTB)
zu erkennen. Im Westen erhebt sich markant der bewaldete Rücken des
Hessenreuther Forstes. |
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Geologische
Information
Der
Haltepunkt ist geologisch in zweierlei Hinsicht interessant. Er ermöglicht
einen Blick in die Tiefebene und auf die umgebenden Höhenzüge. Ihre Lage
verdankt die Tiefebene jungen, absenkenden Bewegungen der Erdkruste. Das
Becken gehört zur Senkungszone des Egergrabens, der sich von Nordböhmen
aus nach Südwesten in unseren Raum erstreckt [mehr]. Ursache für den Grabenbruch
ist eine großräumige Aufwölbung der Erdkruste mit einer Spannweite von über
100 Kilometern. Im zentralen Teil dieser Aufwölbung ist der Egergraben
eingebrochen. Begonnen hat die Aufwölbung vor rund 40 Mio. Jahren und
dauert bis heute an. Verbunden mit dieser Bruchstruktur des Egergrabens sind
die Basalte Nordböhmens, des Fichtelgebirges und der nördlichen Oberpfalz,
sie sind an den tiefgreifenden Bruchstörungen aufgedrungen. Aber auch das
Vorkommen des Kaolins (Porzellanerde) und von Braunkohlen in abbauwürdigen
Lagerstätten ist Folge dieses Grabenbruches ebenso wie das Auftreten von
Mineralquellen mit hohem natürlichem Kohlensäuregehalt.
Unterhalb
der Sitzbank tritt das Gestein, das die Schadenreuther Platte und den
benachbarten Kornberg aufbaut, zutage. In dem Gestein mit rötlich-brauner
Grundmasse sind schmutzig-weißen Feldspatkristalle zu erkennen. Es handelt
sich um einen Quarzporphyr oder wie er heute wissenschaftlich besser benannt
wird: Rhyolit. Ein Rhyolit ist ein vulkanisches Gestein, das nach seinen
chemischen Bestandteilen dem Granit entspricht. Während der Granit
allerdings aus einer sauren Gesteinsschmelze in der Tiefe in langen Zeiträumen
erstarrt ist, ist der Rhyolit aus einem vergleichbaren Gesteinsbrei an der
Erdoberfläche in sehr kurzer Zeit erstarrt. Eigentlich sind Rhyolite dem
Granit vergleichbar sehr helle Gesteine. Durch Verwitterung nimmt das
Gestein an der Erdoberfläche seine rötlich-braune Farbe an (Oxidation des
Eisens). Die ursprünglichen Feldspat-Kristalle sind meist kaolinisiert
(Kaolin = Porzellanerde ist ein weißes Tonmineral). Die
Rhyolite sind in der geologischen Zeit des Perms (bzw. Rotliegenden) an
tiefengreifenden Spalten aufgedrungen. Sind sie in unserem Raum eher selten
(meist gebunden an die Fränkische Linie), bauen diese Gesteine den größten
Teil des Thüringer Waldes auf.
Die mit den Rhyoliten aufgedrungenen Erze sind Grundlage des Erbendorfer
Bergbaus auf Blei und Zink.
Als
mineralogische Besonderheit lässt sich auf den Äckern nordwestlich des
Kornberges dunkelgrüner bis türkisfarbener Jaspis finden. Dieses aus
mikroskopisch kleinen Kristallen bestehende Mineral ist eine besondere
Varietät des Quarzes.
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Rhyolit von der
Schadenreuther Platte [Bild
größer]
Scherzone
im Rhyolit [Bild
größer]
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| Waldecker Schlossberg von der
Nordseite der Schadenreuther Platte aus gesehen.
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| >> Unser
Weg führt uns die Fahrstraße einige 100 Meter weiter. Wir werden wir an
dem nach rechts abzweigenden Weg nach Tiefenbach abbiegen.
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Geologische
Information (Haltepunkt 5)
Das vor
uns liegende Tal zeigt auf den ersten Blick keine Besonderheiten. Es ist
aber auf der gesamten Erstreckung der Fränkischen Linie zwischen Weiden und
der Nordspitze des Thüringer Waldes (rund 300 km) die einzige Stelle, an
der das mesozoische Vorland (also das Gebiet westlich der Fränkischen
Linie) nach Osten in das Gebiet des Grundgebirges hinein entwässert!
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>> Es geht
nun hinab nach Tiefenbach. Hier ist wegen des steilen Gefälles größte
Vorsicht geboten! Auf der anderen Talseite nach links (Westen) Richtung B22
halten. Bei Erreichen der Bundesstraße diese entweder vorsichtig überqueren
oder zu ihr parallel fahren und die Unterführung benutzen.
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Geologische
Information (Haltepunkt 6)
Von
Guttenberg aus hat man einen wunderbaren Blick auf die vulkanischen Bauten des
Kuschberges, des Waldecker Schlossberges und des Rauhen
Kulms. Für alle
gilt das gleiche Prinzip wie für den Rauhen Kulm (siehe Abbildung). Es
handelt sich um die Schlotfüllungen vulkanischer Förderröhren, die zunächst
das mesozoische Deckgebirge mit einer gewaltigen Explosion durchschlagen
haben (Bildung einer Schlotbrekzie) und anschließend mit einer nachrückenden
Basalt-Schmelze verfüllt wurden. Durch die Abtragung der einst umgebenden
Gesteinsschichten sind die härteren Basaltkegel herauspräpariert worden.
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Geologischer
Schnitt durch den Rauhen Kulm [Bild
größer] |
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>> In
einer langen, erholsamen Abfahrtsstrecke geht es zunächst Richtung
Atzmannsberg, beim Einmünden in die Vorfahrtsstraße allerdings nach rechts
Richtung Waldeck. Wir folgen der Straße bis nach Köglitz. Dort geht es
anschließend bergauf nach Waldeck.
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Geologische
Information (Haltepunkt 7)
Kurz vor
der Abzweigung auf den Fahrweg nach rechts (nach Erreichen des
Waldstreifens, in den die aufwärtsführende Straße eintritt) ist nochmals
ein herrlicher Blick auf vier Basaltkegel möglich: Waldecker Schlossberg
(im Rücken), Rauher Kulm (im Westen), Anzenstein (Nordwesten) und
Armesberg
(Nordosten; sitzt direkt auf der Fränkischen Linie).
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>> Es
geht auf der nach rechts abzweigenden Fahrstraße zunächst bergan.
Unterhalb der Burgruine (Haltepunkt 8) lassen sich die dunklen Felsen
erkennen, auf denen die einstige Burganlage des Waldecker Schlossberges
ruht. Besonders gut ist an den Felsen die säulige Form der Basalte zu
erkennen, die sich durch das Schrumpfen des Gesteins bei dessen Abkühlung
erklären lassen.
Der ursprüngliche
Markt Waldeck lag am Südhang, unmittelbar unterhalb der heutigen Burgruine.
Bei einem großen Brand im März 1794 fielen der mittelalterliche Ort mit
seinen über 60 Häusern, die Kirche und die Burg den Flammen zum Opfer. Die
noch brauchbaren Steine wurden zum Wiederaufbau des neuen Waldeck verwendet.
Wie der alte Ort aufgebaut war, zeigt heute ein Modell am Galgenberg
(Haltepunkt 10).
Der
Waldecker Schlossberg mit seinen Basalten beherbergt viele seltene Pflanzen-
und Tierarten. Es gedeihen hier kalkliebende und kalkmeidende Pflanzen
nebeneinander. Das dunkle Basaltgestein erwärmt sich schnell, daher kommen
wärmeliebende Arten wie Bilsenkraut und Wermut vor. Diese beiden giftigen
Pflanzen wurden früher in den Burggärten kultiviert.
Von der
kleinen Aussichtsplattform der Burgruine (Haltepunkt 9) hat man einen
herrlichen Blick über das Oberpfälzer Hügelland mit seinen imposanten
Basaltkegeln. Bei guter Fernsicht ist sogar die Hügelkette des Oberpälzer
Juras zu erkennen.
Es geht
weiter zum Galgenberg, auch Kalvarienberg genannt (Haltepunkt 10). Im
Halbrund hinter dem Holzhäuschen, das das Stadtmodell vor 1794 enthält,
sind Basaltschlotbrekzien zu erkennen. Es sind zum Teil sehr poröse
Gesteine mit Fragmenten von Basalten, Sandsteinen und anderen Nebengesteinen
aus dem durchschlagenen mesozoischen Deckgebirge.
Auf dem
nun folgenden Teilstück, hinauf nach Zwergau, fordert die Fränkische Linie
ihren Tribut.
Bilder von oben nach unten: 1|
Waldecker Schlossberg, Südhang. 2| Basalt mit Olivinknollen [Bild
größer]. 3| Holzhaus mit Stadtmodell am Kalvarienberg. 4| Geologischer
Lehrpfad Kemnath, Tafel am Kalvarienberg. 5| Schlotbrekzie [Bild
größer]. 6| Fremdgesteinseinschluss [Bild
größer].
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Geologische
Information (Haltepunkt 11)
Die Fränkische
Linie ist eine der bedeutendsten Verwerfungslinien in Mitteleuropa.
Über 500 lang trennt sie den Böhmischen Block (das Böhmische
Massiv) mit seinen Schiefern, Gneisen und Graniten von den Sand-, Ton- und
Kalksteinen des mesozoischen Deckgebirges. In mehreren Schüben zwischen dem
Ende des Juras und dem Tertiär [Zeittafel]
ist der Böhmische Block entlang der Fränkischen
Linie nach Westen aufgeschoben worden. In einigen Abschnitten der Fränkischen
Linie beträgt der vertikale Versatzbetrag an dieser Verwerfungslinie
mehrere Kilometer!
[mehr]
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> Der
Anstieg nach Zwergau macht in eindrucksvoller Weise die Heraushebung des Böhmischen
Blockes deutlich. Oben angekommen entlohnt ein herrlicher Ausblick auf das
Vorland, auf den Hessenreuther Forst (im Süden) wie auch auf den Steinwald
(Haltepunkt 12).
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Geologische
Information
Der
Hessenreuther Forst wird aus Gesteinen aus der Zeit der Oberkreide aufgebaut
[Zeittafel]. In Bohrungen hat man festgestellt, dass diese Gesteinsformation
bis zu 500 m mächtig ist. Es handelt sich dabei um Gesteine mit kleinen
(wenigen Zentimetern) bis sehr großen Geröllkomponenten (bis 1 m
Durchmesser). Alle Gerölle wurden durch energiereiche Flüsse aus dem Böhmischen
Block angeliefert. In diesen Geröllen wie in der gesamten Gesteinsformation
des Hessenreuther Forstes [Geologische
Karte] spiegeln sich nahezu unglaubliche Bewegungen der
Erdkruste zur Zeit der Oberkreide, also vor rund 60 Mio. Jahren, wider. Zu
dieser Zeit wurde der östlich der Fränkischen Linie liegende Böhmische
Block um bis zu 3000 m (!) angehoben und abgetragen. Die Abtragungsprodukte
wurden über Flüsse nach Westen transportiert und vor der Fränkischen
Linie abgelagert.
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>> Die
Fahrt führt abwärts bis rund 500 Meter nach Beringersreuth in der linken
Straßenböschung eng verfaltete Schiefer zu erkennen sind (Haltepunkt
13).
Vorsicht in der Straßenbiegung!
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Geologische
Information
Die dünnplattigen,
eng geschieferten Gesteine zeigen auf ihren Schieferungsflächen einen
seidig-silbrigen Glanz. Man bezeichnet sie daher als Phyllite. Die Gesteine
gehören der geologischen Einheit der Phycodenschichten an, die in der Zeit
des Ordoviziums (ca. 495 Mio. Jahre alt) in einem Meer abgelagert worden
sind [Zeittabelle]. Diese Gesteinseinheit gehört aus geologischer Sicht der
saxothuringischen Zone des Fichtelgebirges an. [mehr]
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Phycodenschichten [Bild
größer]
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Fichtelnaab-Impression
[Bild größer] |
>> Unser
Weg führt uns in das Fichtelnaabtal hinunter. Will man die Radtour nun
rasch beenden, dann kann man auf der Autostraße in wenigen Minuten nach
Erbendorf gelangen. Die Variante über die Südwestecke des Steinwaldes ermöglicht
es dagegen, die Steinwaldgranite kennen zu lernen und abseits der Straße zu
fahren. Es müssen allerdings nochmals 70 Höhenmeter überwunden werden.
Die Fahrtstrecke durch den Wald führt zunächst bergan, es folgt eine
Biegung des Weges nach links. Bei Erreichen der größeren Wegkreuzung wählen
wir den mit scharfer Kurve spitzwinkelig nach rechts abzweigenden Weg.
Nach rund
700 m durchfahren wir ein Blockmeer aus Steinwaldgraniten (Haltepunkt
14). Nach einem
leichtem Linksbogen geht es nach ca. 700 m den Fahrweg nach rechts, nach
weiteren 300 m nochmals rechts bergab bis Grötschenreuth. Wer mag, sucht
nun die Serpentinitfelsen des Föhrenbühls mit seiner besonderen Vegetation
auf (Haltepunkt 15) [mehr]. Dort, wo wir wieder die Straße Trevesen –
Erbendorf erreichen, liegt gegenüber an der Fichtelnaab das alte Hammerwerk
Drahthammer (Haltepunkt 16). Hier lebten bis zu seiner Geburt 1873 die
Eltern des bekannten Komponisten Max Regers. Als dessen Geburtsort gilt
Brand, das die Fichtelnaab aufwärts im Fichtelgebirge liegt.

Ehemaliges
Hammerwerk: Drahthammer.
Das
ehemalige Drahthammerwerk war eines der vielen Eisenerz verarbeitenden
Betriebe entlang der Fichtelnaab. Flussaufwärts sind solche alten
Hammerwerke noch die
Hopfau und Trevesenhammer.
Entlang
des Fichtelnaab-Radweges geht es nun wieder zurück nach Erbendorf.
Alternativ kann man wiederum die Autostraße benutzen. Die Straße führt
nach der Straßenabzweigung nach Wetzldorf und Pfaben am Steinbruch
„Marienstollen“ vorbei, in dem von Zeit zu Zeit Speckstein sogar
untertage gebrochen wurde („E“ in der Karte). Der Steinbruch ist in
Privatbesitz, daher Zutrittsmöglichkeit ggf. vorab klären.
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Geologische
Information
Das
„Muttergestein“ des Specksteins ist ein schwarzgrüner Serpentinit, der
im Eingangsbereich zum Steinbruch ansteht. Im eigentlichen Steinbruch sind
die Serpentinite zu hellgrüngraunen bis fast weißlichen Talkschiefern
umgewandelt. Diese Gesteine werden – wenn sie nicht deutlich geschiefert
sind – als Specksteine (weißer dichter Talk) oder Topfsteine (unreiner
Talk) bezeichnet. Talk ist ein schuppiges, blättriges Magnesium-reiches
Mineral aus der Familie der Schichtsilikate. Es ist weiß oder hellgrün und
zeigt einen permutartigen Glanz. Sein besonderes Kennzeichen ist, dass es
sich fettig bzw, seifig anfühlt. Das Mineral hat eine extrem niedrige Härte
und ist mit dem Fingernagel ritzbar.
Verwendung
findet Talk in seiner Varietät als Speckstein als Material für Brenner mit
offener Flamme. Gebrannt ist Talk sehr hart. Vielfältige Anwendung findet es auch in der
Elektroindustrie. Die Varietät Topfstein wurde früher besonders zu Grußformen,
Uhrgewichten, Spielsachen, Pfeifenköpfen, Briefbeschwerern, Aschenbechern
usw. verarbeitet. Talk in welcher Form auch immer wird auch zur Herstellung
von Talkum verwendet, das zu unzähligen Zwecken benötigt wird:
Schmiermittelzugabe, als Gleitmitteln bei Gummiartikeln, speziell zur
Reifenmontage, für Kosmetika, als Füllung für Kunstdruckpapier, Bestäubung
von Kaugummis, u.v.m. Als besondere Mineralien sind im Steinbruch noch
gefunden worden: Pyrit, Magnetit, Magnesit, Aktinolit,
Diallag, Grammatit,
Stilpnomelan und Asbest. Sie alle kann man im Heimat- und Bergbaumuseum von
Erbendorf in einer eigenen Ausstellung zum Marienstollen bewundern.
Die
Serpentinite als Ausgangsgesteine für die Talkschiefer gehören mit zu den
ältesten Gesteinen der Region. Entstanden sind sie vor rund 600 – 700
Mio. Jahren und gehörten zu magmatischen Gesteinen, die den untersten Teil
einer ozeanischen Kruste bildeten, zu den so genannten Peridotiten
[Schema in Kürze]. Durch
die variskische Gebirgsbildung und die dadurch bedingte Umwandlung der
Gesteine (Metamorphose) sind aus den Peridotiten zunächst die Serpentinite
entstanden. Durch eine spätere Umwandlung der Mineralbestandteile der
Serpentinite sind aus diesen die Talkschiefer hervorgegangen.
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Serpentinit
[Bild größer]

Ehemaliger
Specksteinabbau Marienstollen [Bild
größer]

Talk
auf Serpentinit [Bild größer]
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>> Nun
geht es endgültig nach Erbendorf, vorbei an der Porzellanfabrik der Firma
Seltmann. Diese bietet immer am Donnerstag vormittag Betriebsführungen und
Werksverkäufe an (Informationen in der Touristinformation Erbendorf).
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Kurzinformationen
Einkehrmöglichkeiten:
Hahneneggaten nahe Guttenberg – Waldeck – Zwergau – Erbendorf
Anfahrt:
über die B22 oder B 299
Länge:
ca. 25 km, hügelig
Karten:
Fritsch-Wanderkarte Nr. 73: Naturpark Hessenreuther Forst und Manteler Wald,
1 : 50.000; Fritsch-Wanderkarte
Nr. 54: Steinwald-Stiftland, Naturpark Steinwald, 1 : 50.000;
Kompass-Wanderkarte Nr. 192: Nördlicher Oberpfälzer Wald, 1 : 50.000;
Bayerisches Landesvermessungsamt: Topographische Karte 1 : 50.000: Naturpark
Nördlicher Oberpfälzer Wald (westlicher Teil), Naturpark Steinwald.
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| (c) Bayerisch-Böhmischer
Geopark ap/aw Sept. 2006 |
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