Seit 2010 gibt es die Schutzgebietskategorie „Nationales Naturmonument“ nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Bis Anfang diesen Jahres waren bundesweit jedoch nur acht Gebiete mit diesem herausragenden Schutz ausgewiesen worden, in Bayern mit der „Weltenburger Ende“ sogar nur ein einziges. Seit wenigen Wochen gibt es mit dem „Felsenlabyrinth-Luisenburg Wunsiedel“ nun ein neuntes Nationales Naturmonument in Deutschland und damit auch ein zweites in Bayern. Anlässlich dieser Ernennung fand am Freitag vor dem Pfingstwochenende ein Festakt der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit der Stadt Wunsiedel statt.

Im Bundesnaturschutzgesetz sind Nationale Naturmonumente als rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete definiert, „die aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“. Dabei lehnt sich das Bundesgesetz in seiner Definition an die Anforderungen der weltweit ältesten und größten Naturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) an. Dabei gehören zu national bedeutsamen Naturerscheinungen auch herausragende geologisch-geomorphologische Objekte sowie insbesondere solche, die außergewöhnliche Natur- und Kulturwerte miteinander verbinden. Wie maßgeschneidert treffen diese Kriterien auf das Felsenlabyrinth der Luisenburg in Wunsiedel zu. Nach eingehenden Prüfungen durch das Bundesamt für Naturschutz und einer durch die bayerische Staatsregierung erlassenen Verordnung ist die Luisenburg nun seit dem 1. Februar 2026 das neunte Nationale Naturmonument in Deutschland. Gleichzeitig mit dieser Ernennung wurde das schon seit 1938 bestehende Naturschutzgebiet Luisenburg um die Flächen des „Kleinen Labyrinths“ und des „Burgsteinfelsens“ erweitert.

Das Felsenlabyrinth der Luisenburg war schon vor dieser besonderen Würdigung eines der bedeutendsten Geoobjekte im grenzüberschreitenden GEOPARK Bayern-Böhmen. Seit 2003 gehört es zu den „100 schönsten Geotopen von Bayern“, seit 2006 als „Nationales Geotop“ sogar zu den bedeutendsten geologischen Objekten Deutschlands. Seit 2007 führen in Kooperation von Geopark und der Stadt Wunsiedel Geoparkranger regelmäßig bei öffentlichen Führungen oder auf Anfrage durch das Labyrinth. Neben den naturgeschichtlichen Aspekten, wie etwa die Entstehung des Granits vor mehr als 300 Millionen Jahren oder die Ursachen für die Anhäufung des europaweit größten Felsenmeeres, ist dabei die Kulturgeschichte als ältester Bürgerlicher Landschaftsgarten Deutschlands ein wesentlicher Inhalt dieser Führungen. Auch der besonderen Beziehung des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zur Luisenburg und seiner Betrachtung und literarischen Verarbeitung des Granits widmen sich diese Führungen. Schon ein individueller Besuch des Felsenlabyrinths ist ein Erlebnis, doch dessen herausragende Bedeutung als Natur- und Kulturerbe der Region wird erst durch die Erläuterungen im Rahmen einer solchen Führung deutlich.

Zu den naturschutzfachlichen Gründen der Ausweisung als Nationales Naturmonument gehören insbesondere auch die Aspekte der sich in den Fichtenblockwäldern, in Felsspalten oder auf den Granitfelsen entwickelnden Flora und der dort ihren Lebensraum findenden Fauna, darunter viele seltene und bedrohte Arten. Dazu zählen unter anderem Kreuzotter, Sperlingskauz, Schwarzspecht, Uhu und Gartenschläfer sowie bei den Pflanzen verschiedene Flechten- und Moosarten wie das Leuchtmoos, das Felsen-Goldhaarmoos, die Blutflechte oder die Fels-Fleckflechte.

Für die Erreichung des Ziels, das Felsenlabyrinth in die höchste Kategorie des Naturschutzes zu heben, hat sich insbesondere Ronald Ledermüller vom Naturpark Fichtelgebirge verdient gemacht.

Enthüllung des neuen Logos des Nationalen Naturmonuments Luisenburg-Felsenlabyrinth Luisenburg mit Staatsminister Thorsten Glauber, Staatssekretär Martin Schöffel, Bürgermeister Nicolas Lahovnik und dem Vorsitzenden des GEOPARK Bayern-Böhmen und des Naturparks Fichtelgebirge Landrat Peter Berek.


Informationen zur Geologie und Kulturgeschichte gibt es auch unter https://www.geopark-bayern.de/Luisenburg.